Livestreaming an Messen und Kongressen: Gratis-Content oder Bezahlmodell?

Publiziert am 15.03.2016 von Christoph Spangenberg

Als am Vortag der Baselworld-Eröffnung die Pressekonferenz über die Trends in der Uhren- und Schmuckbranche informiert hat, waren tausende Journalisten online im Livestream (11'300 Zugriffe) dabei. Immer mehr Veranstalter entdecken Livestreaming für sich. Wie bei allen Kommunikationsmassnahmen gilt es, hierbei klare Ziele zu  verfolgen. Der Live-Content birgt zudem Potenzial für neue Geschäftsmodelle.

MCH Group Baselworld Press Conference 

Ob Facebook, Youtube oder Periscope: Nie war es so einfach, Inhalte live ins Internet zu streamen, und dies zu vergleichsweise geringen Kosten. Veranstalter von Messen und Kongressen nutzen Livestreaming, um Vorträge und Diskussionen auch den Menschen zugänglich zu machen, die nicht vor Ort dabei sein können. Der Live-Content steigert Reichweite und Sichtbarkeit und trägt Wissen und Diskurse über das Event hinaus. Zudem kann er ein Teaser sein, um die Zuschauer an das Event zu locken.

Auch innerhalb der MCH Group sind Livestreams ein Teil der Kommunikation. So übertrug die Baselworld, die weltweit bedeutendste Messe der Uhren- und Schmuckbranche, die Eröffnungspressekonferenz am 16. März 2016 live ins Netz. Die Schweizer Baumesse Swissbau streamte ausgewählte Vorträge und Diskussionen mit und von Branchenführern aus ihrem Veranstaltungsformat Focus.

Live-Videos als Teil des Kommunikationskonzepts

Trotz einfacher Technik und geringen Kosten: Der Einsatz von Livestreams an Messen und Kongressen will geplant und wohlüberlegt sein. "Streamen nur um des Streamens willen ist nicht sinnvoll", sagt Stephan Peyer, Chief Development Officer (CDO) der MCH Group. "Livestreams sollten Teil des Kommunikationskonzepts sein und klare Ziele verfolgen."

Livestreaming: kein Ersatz zum Event

Eines können Livestreams nicht sein: ein Ersatz zum Live-Event. "Alles, was wir diesbezüglich machen, hat zum Ziel, das Live-Event zu stärken und nicht, dieses obsolet zu machen", so Peyer. Der Fokus liegt dann eben auch darauf, den "Live-Nutzen" von Informationen für den Besucher von Messen und Kongressen zu maximieren. Dieser liegt auch darin, die erhaltenen Informationen vor Ort mit den Urhebern zu vertiefen, zu diskutieren und möglicherweise auch gleich im individuellen Kontext weiterzuentwickeln. Dem Networking kommt im Zusammenhang von Wissensvermittlung also eine sehr hohe Bedeutung zu.

Livestreams an Events als Geschäftsmodell

Wie also Livestreams erfolgreich an Messen und Kongressen einsetzen? Hierzu gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Livestreams könnten ein Teaser sein, damit die Leute das Event besuchen, sagt Peyer. Aus dem Live-Content können auch neue Geschäftsmodelle entstehen: Keynotes gibt es beispielweise kostenlos, weitere Inhalte sind dann aber kostenpflichtig. Dann würden entweder einzelne Vorträge oder Diskussionsbeiträge oder mit einem digitalen Tagesticket gleich der ganze Live-Content gekauft. Die Videos lassen sich auch nach dem eigentlichen Event vermarkten.

"Es braucht letztendlich einen konkreten Business Case, damit sich Aufwand und Ertrag hinsichtlich Livestreams zumindest die Waage halten", sagt Peyer. Das meint auch: KPIs aufstellen und kontrollieren. Am Ende steht nämlich immer eine einfach Frage: Die, ob es sich lohnt.

Der Text wurde am 16. März mit aktuellen Zugriffszahlen des Baselworld-Livestreams aktualisiert.

Christoph Spangenberg

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