"100 Jahre Muba: eine plakative Zeitreise": Plakat-Spaziergang in Basel eröffnet

Publiziert am 02.03.2016 von Christoph Spangenberg
50 kunsthistorisch wertvolle Plakate mitten in Basel: Seit heute ist die Ausstellung "100 Jahre Muba: eine plakative Zeitreise" offiziell eröffnet. Zwischen Badischem Bahnhof und Bankverein zeigt sie Highlights seit der Gründung der Mustermesse im Jahr 1916. Im Interview erklärt Kurt Würmli, Konservator der Plakatsammlung der Basler Schule für Gestaltung, die die Ausstellung mit der MCH Group zu deren 100 Jahre Jubiläum realisiert hat, was die Messeplakate so besonders macht und warum sie bald zum Unesco-Kulturerbe gehören könnten.

Kurt Würmli

Herr Würmli, was genau erwartet die Besucher der Ausstellung?

Wir feiern das 100-jährige Bestehen der Mustermesse, indem wir die Plakate zeigen, welche die Muba seit ihrem Bestehen beworben haben. Entlang eines Spaziergangs von Kleinbasel nach Grossbasel hängen 50 Plakate von 32 Gestaltern mit einem kurzen Text. So erhält der Betrachter einen Zugang zu dem Plakat und dessen Gestalter, oftmals bedeutende Künstler wie Birkhäuser, Brun, Eidenbenz und Leupin. Über einen QR-Code erhält man jeweils noch viele weitere interessante Informationen zu den Plakaten und Gestaltern auf der Jubiläumswebseite. Die Texte hierzu stammen vom Kunsthistoriker Fabian Frei, der dazu mit noch lebenden Künstlern und Nachkommen gesprochen hat.

Mit der Ausstellung zeigen wir Kulturgut, zelebrieren die Plakate und die Gestaltung. Es ist eine Ausstellung für die Stadt und ihre Besucher. Bald gehören die Plakate vielleicht sogar zum Unesco-Weltkulturerbe. Noch in diesem Jahr befindet die Unesco nämlich darüber, ob das grafische Schaffen der Schweiz zum immateriellen Kulturerbe erklärt wird. Für uns als Plakatsammlung ist es toll, etwas im öffentlichen Raum zu machen als Ergänzung zu den Ausstellungen bei uns in der Spalenvorstadt.

Was macht diese 50 Plakate so besonders?

Wir hatten sogar mehr als 70 tolle Plakate, aber dann ging es auch um die Rechte, sie digitalisieren und ausstellen zu dürfen. Nachdem diese Fragen geklärt waren, hatten wir immer noch mehr als 50. Anschliessend wählten wir rein kuratorisch aus: Was ist der Inhalt? Wie ist der Stil? Können wir damit die 100 Jahre repräsentativ abbilden? Unsere Plakatsammlung ist 120 Jahre alt, viele der Plakate waren  bereits in unserem Besitz, da sie wichtig für die Stadt Basel, die Region und ihr grafisches Schaffen sind. Gemeinsam mit dem Archiv der MCH Group konnten wir diese Ausstellung dann realisieren. Wir vermitteln einen historischen Rückblick, wobei der Fokus auf den Jahren 1916 bis 1990 liegt. Im Internet sind sogar alle 100 Plakate seit 1916 zu sehen. Nirgends sonst haben meines Wissens so viele verschiedene Künstler so lange Zeit für eine Firma gearbeitet. Ich glaube, das ist einzigartig.

Ein Plakat ist ja weit mehr als eine Ankündigung…

Ja, die Plakate sagen nicht nur etwas über Basler Grafik aus, sondern auch über die Mustermesse: Wie zeigt sie sich in der Öffentlichkeit, welche Plakate wählt sie aus? Bis spät ins 20. Jahrhundert hat die Mustermesse für die Plakate noch einen Wettbewerb ausgelobt. Die Plakate sagen natürlich auch etwas über ihre Gestalter aus. In manchen ist der Künstler präsenter als die Messen, nehmen Sie nur mal das von Peter Birkhäuser aus dem Jahr 1951. Dann spiegeln Plakate auch gesellschaftliche Themen wieder. Zwischen 1935 und 1945 finden wir auf den Plakaten zum Beispiel ikonografische Züge, die man mit Kriegstreiberei assoziieren kann.

Haben Sie von den Mustermesse-Plakaten eigentlich ein Lieblingsplakat?

Die Frage ist ja, was ein gutes Plakat ausmacht. Ein Plakat ist sehr komplex, wie ein Theaterstück. Mir gefällt das Plakat von Hans Falk aus dem Jahr 1949. Es zeigt einen gemalten Arbeiter, ist nicht typisch. Ebenso gefallen mir besonders die chronografischen Plakate wie jene von Herbert Leupin.

Welche Auffälligkeiten gibt es in 100 Jahren Plakatgeschichte der Mustermesse?

Das Wichtigste ist wohl der Wechsel des Handwerks, ganz grob in der Spät-Mitte des 20. Jahrhunderts. Während zuvor alles handgemacht war, kamen nun neue Techniken auf wie Siebdruck, Offsetdruck und Fotografie. Mit der neuen Technik ändert sich auch der Inhalt, denn auch Gestaltung ist immer ein Teil des Inhalts.

Bei Ihrer Arbeit sind Sie doch sicherlich auf einige Überraschungen getroffen?

Auf viele! Wir hatten noch kein Literaturverzeichnis und mussten so intensiv recherchieren. Dabei haben wir unheimlich tolle Sachen, auch Privates, über die Künstler gelernt. Erstaunlich, wie diese Leute gelebt haben. Zum Beispiel der Künstler und Gestalter Karl Bickel, der das „Paxmal“ auf Schrina-Hochbrugg oberhalb von Walenstadt erträumt und realisiert hat.

Zurück zur Ausstellung in Basel: Haben die Plakate einen Bezug zum Ort, an dem sie hängen?

An der Clarakirche befinden sich vier Plakate, die gestalterisch zusammen gehören. Zudem enthalten sie alle das Schweizer Kreuz, worüber man einen Bezug zum Kirchenkreuz herstellen könnte. Mehrere ikonografische Plakate hängen am Rathaus, das für sich selbst ja auch eine Ikone ist. An der Rundhofhalle der Messe hängen fünf Plakate. Ihr gemeinsames, zentrales Thema ist eine runde Schichtung und das in-sich-Aufnehmen von Dingen. Allgemein gilt: Hängen mehrere Plakate zusammen, erweitern sie die Aussage. Sie bereichern oder widersprechen sich.

Die Plakatausstellung hängt noch bis 25. April 2016 im öffentlichen Raum zwischen Badischem Bahnhof und Bankverein. Details sowie mehr als 100 Muba-Plakate inklusive der kommentierten Highlight-Plakate unter www.100jahrezukunft.ch/plakatausstellung.
Parallel zeigt das RappazMuseum unter dem Titel "Basler Grafik für die Muba" Entwürfe für Plakate, Pläne, Fotografien, Filmmaterial und mehr.

Führungen und Veranstaltungen:

  • 4. März 2016, Treffpunkt um 17 Uhr am McDonald's gegenüber dem Badischen Bahnhof. Kostenlos, keine Anmeldung nötig. Anschliessend um 18 Uhr Vernissage der Plakatausstellung sowie der Parallelausstellung „Basler Grafik für die Muba“ im RappazMuseum, Klingental 11, 4058 Basel
  • 25. April 2016, Treffpunkt 17 Uhr am Tinguely-Brunnen am Theater. Kostenlos, keine Anmeldung nötig. Anschliessend um 18 Uhr Finissage im RappazMuseum.
Zur offiziellen Medienmitteilung.
Christoph Spangenberg

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen

 
 

 

Teilen