100 Jahre Muba: "Immer für alles offen sein"

Publiziert am 12.04.2016 von Christoph Spangenberg
100 Jahre MCH Group bedeuten auch 100 Jahre Muba. Vom 15. bis 24. April 2016 feiert die Messe, aus der sich die Unternehmensgruppe entwickelte, ihr Jubiläum. Im Interview sprechen der neue Messeleiter Daniel Nussbaumer und Kommunikationschef Simon Dürrenberger über die Highlights der Jubiläumsausgabe. Sie erinnern sich an Gäste mit blauem Blut und solche, die in Whirlpools plantschten, verraten das Erfolgsrezept der "Mutter aller Messen" und ihre persönlichen Erlebnisse und denken nach über die Muba der Zukunft.

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Simon Dürrenberger (li.), Daniel Nussbaumer.


In wenigen Tagen feiern wir den Beginn der 100. Muba. Dafür habt ihr wieder zahlreiche Highlights zusammengestellt. Gebt uns doch einen kleinen Vorgeschmack!

Simon Dürrenberger: Das grosse Highlight ist unser Festival im Innenhof. Wir haben 20 verschiedene Schweizer Künstler verpflichten können, darunter Top-Acts wie Massimo Rocchi, Marco Rima oder Luca Hänni. Natürlich haben wir zum Jubiläum auch einen nostalgischen Ansatz und würdigen die Historie: Wir bilden den alten Messe-Kopfbau ab, vorne dran stehen Oldtimer des Pantheon Basel. Das ist an früher angelehnt, als auf dem Messeplatz noch parkiert wurde.  Manche werden sich erinnern. Zusätzlich gibt es Bilder und Ausstellungsobjekte von damals zu bestaunen.
Ausserdem haben wir alle 100 Messeplakate seit 1917 ausgestellt. 50 davon kann man sich auch an der Plakatausstellung mitten in Basel bis zum 25. April angucken. Bei der offiziellen Eröffnung mit geladenen Gästen werden wir in einem tollen Zeitrafferfilm die Entwicklung der Mustermesse zeigen. Den Film werden wir dann natürlich auch auf unseren Social Media Kanälen teilen.

Seit 1917 hat die Muba jeglichen gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen getrotzt. Nun feiert sie ihren 100. Geburtstag. Wie konnte sich die "Mustermesse" so lange behaupten?

Dürrenberger: Indem die Messe über die hundert Jahre immer wieder an die Gegebenheiten angepasst wurde. Zu Beginn der Mustermesse waren noch Aus­steller aus allen Bereichen der Schwei­zer Wirtschaft präsent. Doch nach und nach liess die "Mutter aller Messen" ihre gross gewordenen "Kinder" ziehen. Die Holz war die erste Fachmesse, die in den Fünfzigerjahren eigenständig wurde. Immer mehr wachsende Ausstellungsbereiche folgten diesem Beispiel. Die bekanntesten sind sicherlich die Baselworld, die weltweit führende Fachmesse für Uhren und Schmuck sowie die Swissbau oder die Giardina. Die Mustermesse legte damals den Grundstein für das Wachstum der heutigen MCH Group.

Gibt es Aussteller, die die Muba ebenfalls schon seit Jahrzehnten begleiten?

Dürrenberger: Na klar, viele Aussteller sind seit vielen Jahren dabei, der längste sogar seit 99 Jahren. Die Firma Mauler, ein Familienbetrieb aus dem Welschland, der Schaumwein herstellt, hat nur einmal gefehlt. Feldschlösschen ist bisher mehr als 90 Mal dabei, Möbel Pfister und andere 50 Mal.

Simon, du bist seit 15 Jahren für die Messe Basel tätig, davon 13 Jahre Kommunikationschef der Muba. Da gibt es doch sicherlich das ein oder andere Highlight oder kuriose Erlebnis!

Dürrenberger: Da hat es wirklich viele gegeben. 2005 kam beispielsweise ein Mitglied der dänischen Königsfamilie, Prinz Henrik von Dänemark zur Eröffnung der Muba. Die jährlichen Besuche des Bundesrates waren auch immer hochspannend, aber wenn ein Mitglied von einem Königshaus kommt, ist es nochmal spezieller.

Kurios ist die Geschichte eines Whirlpool-Ausstellers. Der hatte ein Gartenhaus mit einem Whirlpool darin ausgestellt. Eines Tages hat der ganz aufgeregt angerufen, dass Leute in dem Pool seien. Da sind ein paar junge Männer in das Gartenhaus eingedrungen, haben sich ausgezogen und sind mit einer Kiste Bier in den Whirlpool reingehüpft. Der Aussteller konnte nichts tun, denn sie hatten das Häuschen von innen verriegelt, da musste die Security ran. Die Messe ist ja zum Ausprobieren da, nur haben die es etwas zu wörtlich genommen.

Daniel, all dies kommt auf dich erst noch zu. Seit 1. April 2016 bist du der neue Messeleiter der Muba. Erzähle uns doch mal: Wieso hast du dich für die Muba entschieden? 

Daniel Nussbaumer: Ich bin schon immer sehr eng mit der Muba verbunden und hatte grosse Lust auf diese Herausforderung, etwas so Traditionelles, das so sehr zu der Stadt Basel gehört, mitzuprägen.

Meine Mutter hatte im Katalogteam der Mustermesse gearbeitet. Als Kind war ich immer am FCB-Stand. Ich habe an der Messe auch mal einen Sprachkurs im Wert von 2'000 Franken gewonnen. Leider war ich damals noch zu jung dafür. Ich habe dann vier Jahre gewartet und den Gutschein eingelöst.

Ich war auch selbst ein paarmal als Aussteller an der Muba. Da habe ich zwei meiner besten Freunde kennengelernt. Du merkst, ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Messe, die mein Leben geprägt haben.

Simon, hast du Tipps für den neuen Chef?

Dürrenberger: Offen sein für alles! Es kommt so viel Verschiedenes und Spannendes auf einen zu, wenn man bei einer Messe arbeitet, insbesondere bei der Muba. Jedes Jahr schaffen wir eine Plattform, an der fast alles Platz hat. Da muss man stets alles prüfen, was man im Sinn der Weiterentwicklung der Messe, aber auch im Sinn des Besucherinteresses umsetzen kann. Das ist das, das ich am spannendsten gefunden habe. Dass man bei jeder Messevorbereitung mit neuen spannenden Sachen konfrontiert wurde und neue Leute kenngelernt hat. Das ist extrem bereichernd.

Daniel, wir freuen uns natürlich erst einmal auf die 100. Muba mit all ihren Highlights. Aber hast du schon Pläne für die nächsten Jahre? Wo soll sich die Muba hin entwickeln?

Nussbaumer: Dafür ist es noch zu früh. Natürlich schwirrt schon etwas im Kopf rum, aber jetzt geht es darum, die Muba von Grund auf kennenzulernen und von Leuten wie Simon zu profitieren, die so viel geleistet haben und Erfahrung haben und daraus etwas entwickeln.

Dürrenberger: Es ist perfekt, dass Daniel die letzten zwei Wochen der Vorbereitung und die 10 Tage Messe voll aufsaugen kann und auf sich wirken lassen kann. Da gibt's dann viele Eindrücke zu verarbeiten. Es gibt viel zu tun. Er muss die Messe mit seinem Team weiterentwickeln und dabei die Balance finden zwischen Ausstellung und Eventcharakter.

Simon, wie stellst du dir die Muba in 10 Jahren vor?

Dürrenberger: Konkrete Vorstellungen habe ich keine, es verändert sich alles so schnell in letzter Zeit. Aber man muss erspüren, wie sich das Konsum- und Freizeitverhalten der jüngeren Zielgruppen entwickelt, welche Plattformen sie als relevant identifizieren und was sie dort erleben möchten. Diese Zielgruppen sind extrem wichtig und sie müssen für die Messe begeistert werden. Dann muss man mit den Ausstellern und anderen Partnern ein Angebot schaffen. Dinge wie Virtual Reality und Location based Marketing, allgemein wie man ein Produkt, eine Firma, eine Marke inszeniert, werden immer wichtigere Rollen spielen. Das ist eine hochspannende Entwicklung.

Simon, du hörst nach der Jubiläums-Muba auf. Wirst du die Messe vermissen?

Dürrenberger: Ja klar! Ich habe so eine gute Zeit gehabt. Während der 15,5 Jahre, die ich für die Messe Basel und die Muba gearbeitet habe, durfte ich so vieles erleben und jede Menge Kontakte knüpfen. Das ist ein grosser Teil meines Lebens. Aber es ist auch okay, wenn jetzt ein neues Kapitel aufgeht und ich mit dem, was ich hier lernen durfte, woanders etwas bewirken kann. Aber ich werde natürlich immer wieder zurückkommen und gucken, wie sich die Messen entwickeln und was der Dani hier so alles macht.

Kannst du schon verraten, wo es nun für dich hingeht?

Dürrenberger: Nein, das ist noch offen. Vielleicht gibt es auch mal eine kurze Pause um bisschen zu verschnaufen...

Die 100. Muba findet vom 15. bis 24. April 2016 in der Messe Basel statt. Infos, Highlights und Programm: www.muba.ch

Christoph Spangenberg

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