SmartSuisse-Konferenz: Wie Städte zu Smart Cities werden

Publiziert am 13.10.2016 von Christoph Spangenberg

Intelligente Stromversorgung, multifunktionale Strassenlampen, neue Formen der Mobilität: In der Stadt der Zukunft sind Menschen und Infrastrukturen digital miteinander vernetzt. Um Städte und Gemeinden bei der Entwicklung hin zur Smart City zu unterstützen, findet im April 2017 in Basel erstmals die SmartSuisse statt. Initiator Mike Vogt über die neue Konferenz samt Fachausstellung, das Leben in Smart Cities und warum sich Entscheider jetzt mit dem Thema beschäftigen müssen.

Mike Vogt, SmartSuisse (MCH Group)

Mike, wann ist eigentlich eine City ‘smart’?

Das Bundesamt für Energie (BFE) hat dazu eine, wie ich finde, treffende Definition verfasst: Eine Smart City bietet ihren Bewohnern maximale Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch dank einer intelligenten Verknüpfung von Infrastruktursystemen (Transport, Energie, Kommunikation, etc.) auf unterschiedlichen hierarchischen Stufen (Gebäude, Quartier, Stadt).

"Die Smartifizierung muss sich an den Bürgern orientieren"

Aus meiner Sicht ist eine City, die smart ist, gar keine City mehr! Denn Funknetze machen nicht halt vor geografischen Grenzen. Aus diesem Grunde haben wir mit SmartSuisse bewusst einen Markename gewählt, der die Smartifizierung über die politischen Gemeinden hinaus thematisiert und sich am wirklichen Leben der Bürger orientiert. Darum gefällt mir die Vision von Professor Matthias Finger von der EPFL, der die Schweiz langfristig als eine 10-Millionen-Einwohner-Stadt innerhalb von Europa sieht.

Am 27. April 2017 findet im Congress Center Basel die erste SmartSuisse statt. Was sind die Themen?

Die erste Konferenz konzentriert sich auf 3 Bereiche:

  • Smart Governance – vom Projekt zur Smart City Strategie und die neue Rolle der Stadt
  • Smart Urban Mobility- der Umbau von traditionellen Verkehrsbetrieben zu modernen Mobilitätsdienstleistern wie zum Beispiel die SBB
  • Smart Resources – die Smartifizierung der Stadtwerke und Logistikbetriebe wie der Post

Zuerst werden die Themen in Keynote-Referaten von Experten lanciert und danach in Workshops der Partnerfirmen vertieft behandelt. Dazu werden konkrete Lösungen in einer Begleitausstellung mit rund 20 Ausstellern gezeigt. Isolierte Smart-City-Applikationen sind schon heute in unseren Verticals Swissbau, Ineltec und Powertage zu sehen. SmartSuisse konzentriert sich aber vor alle auf horizontale, branchenübergreifende Lösungen.

"Die Strassenlampe der Zukunft ist multifunktional"

Ich möchte dies anhand vom Strassenlicht erklären. Die Strassenlampe der Zukunft wird multifunktional sein mit eingebauten Sensoren für die Messung von Lärm und Luftqualität. Sie wird Kameras eingebaut haben zur Verkehrszählung, Überwachung oder zum Auslesen von Nummernschildern für Smart Parking. Sie wird auch Anschlüsse haben zum Aufladen von Elektroautos. So ein Investitionsentscheid kann nicht nur vom Stadtwerk allein gefällt werden, sondern muss zum Beispiel die Ämter für Mobilität, Energie und sogar die Polizei miteinbeziehen.

Und genau darum wird es gehen bei SmartSuisse, aufzuzeigen, dass Smart City ein ämterübergreifendes Zusammenarbeiten notwendig machen wird. Smart City wird keine technologische Herausforderung sein, sondern eine organisatorische. Ein Hauptziel der SmartSuisse ist es darum, die Vernetzung unter den Stakeholdern zu fördern. Ein Live Event ist dabei nachwievor die beste Gelegenheit, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen.

Warum ist es so wichtig, sich schon jetzt mit der Smart City zu befassen?

Zugegeben, der Markt ist noch am Anfang, aber die Prognosen sind sehr vielversprechend. Darum war es wichtig, dass die MCH Group dieses Thema frühzeitig besetzt und langfristig aufbaut. Das Internet of Things wird vor keiner Stadtgrenze halt machen.

"Die Städte müssen die Datenhoheit zurück gewinnen"

Die Zeit ist gekommen, dass die Städte und städtischen Betriebe die Datenhoheit sichern oder zurückgewinnen müssen. Ein gutes Beispiel ist der Verkehr. Wer achtet noch auf Umleitungen und Wegweiser? Eigentlich haben schon heute Google und TomTom die Verkehrsleitung in den Städten übernommen, denn über die Hälfte der Autos ist mit Navigationssystemen ausgestattet. Uber ist ein weiteres Beispiel, wie Privatunternehmen mit smarten Geschäftsmodellen in den öffentlichen Sektor vordringen. Wenn die Städte das Heft nicht selber in die Hand nehmen, dann werden es Dritte tun. SmartSuisse soll die Städte genau in diesem Bereich unterstützen und eine Plattform aufbauen, wo sich Angebot und Nachfrage für intelligente Lösungen treffen.

Mike, kannst Du noch einen Blick in die Zukunft wagen: Was erwartet uns langfristig in der Smart City?

Ich möchte die Frage am Beispiel der Mobilität beantworten. Heute fahren wir mit unserem Privatwagen an den Bahnhof und lassen ihn dort während dem ganzen Tag stehen für teures Geld. Es ist total ineffizient, einen Privatwagen zu finanzieren, der nur während fünf Prozent am Tag genutzt wird. In Zukunt wird das CarSharing enorm an Bedeutung gewinnen. Ich fahre ein Auto und stelle es einfach irgendwo ab in der Stadt, so dass es ein nächster Nutzer mit seinem Smartphone oder seiner Smartwatch wieder öffnen bzw. übernehmen kann. Neben dem CarSharing wird im Öffentlichen Verkehr die Mobilitätskette von Tür zu Tür geschlossen werden.

"Die Lebensqualität wird sich enorm erhöhen"

Das wird die Lebensqualität von Jungen, Alten oder behinderten Menschen enorm erhöhen. Stellen Sie sich vor, Sie bestellen per App ein Abholdienst-Posttaxi, dass Sie rechtzeitig zum Bahnhof und direkt ans richtige Gleis fährt. Und auf dem reservierten Sitzplatz im Zug steht ein glutenfreier Cappuccino, den sie per App gleich mitbestellt haben. Darum schätze ich uns glücklich, dass wir in der sehr kurzen Zeit, die uns für die Planung der SmartSuisse zur Verfügung steht, bereits die SBB, PostAuto und Swisscom als Partner gewinnen konnten.

> Medienmitteilung zur SmartSuisse Lancierung
> www.smartsuisse.com

Christoph Spangenberg

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