Dr. Theodor Brogle (1893-1959) - ein Visionär für die Mustermesse

Er war ein Visionär und machte die Mustermesse finanziell unabhängig: Dr. Theodor Brogle, der als dritter Messedirektor 1938 das Amt von Dr. Wilhelm Meile übernahm. Seine Ära steht für das Bestreben um die Öffnung der Mustermesse für ausländische Aussteller und die Durchführung von Fachmessen.

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Brogle (r.) mit seinem Vorgänger Wilhelm Meile.

Der Betriebswirtschaftsprofessor Brogle brachte die Diskussion um eine Internationalisierung der Messe bereits im November 1943 auf die Tagesordnung im Verwaltungsrat der Mustermesse: die Genossenschaft sollte eine Form finden, die es auch ausländischen Firmen ermöglichen würde, ihre Produkte an der Mustermesse auszustellen. Theodor Brogle wollte zwar den schweizerischen Charakter der Messe bewahren, war aber überzeugt davon, dass die Stärke der Messe durch Leistung im Wettbewerb zu beweisen und zu erhalten sei. Brogle argumentierte dabei auch mit Franklin Roosevelt: "Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst".

Sein vehementes Internationalisierungsbestreben war zur damaligen Zeit allerdings nicht erfolgreich, denn die entscheidenden Gremien und Interessenverbände wollten die Messe als genossenschaftlich verfasste Plattform für Schweizer Produzenten sichern, die hier eine von ausländischen Mitbewerbern ungestörte Präsentationsmöglichkeit haben sollten. Im Rückblick auf Brogles Zeit als Direktor der Mustermesse wurde er als Visionär und guter Verlierer gelobt, der zwar nicht die Internationalisierung der Messe durchsetzen, dafür aber den Grundstein für internationale Fachmessen legen konnte, die erstmals kurz nach seiner Amtszeit (ab 1957) stattfanden.

Ein wichtiger Meilenstein in der Ära Brogle war, dass die Mustermesse ab 1947 für ihr laufendes Geschäft ohne Subventionen des Bundes und des Kantons auskam, der jährlich rund 200'000 CHF beigesteuert hatte. Die Genossenschaft Schweizer Mustermesse erwirtschaftete nun Überschüsse und verzinste ihre Anteilsscheine. Und: in Theodor Brogles Direktionszeit fallen auch die Planung und der Baubeginn der Basler Rundhofhalle, die 1954 nach nur einem Jahr Bauzeit eingeweiht wurde und bis weit in die 1990er Zeit das bauliche Markenzeichen der Mustermesse war.

1954 tritt Theodor Brogle krankheitshalber als Messedirektor zurück, sein Nachfolger wird der Volkswirtschaftler Dr. Hermann Hauswirth (1905 bis 1989).

Bild: Staatsarchiv Basel Stadt/Privatarchiv MCH Group