Mit Virtual und Augmented Reality die Event-Realität erweitern

Publiziert am 01.06.2017 von Serafino Melloni

In virtuelle Welten eintauchen und das reale Erlebnis erweitern: An Virtual Reality und Augmented Reality kommt derzeit kein Veranstalter vorbei. Wie Veranstalter von Messen und Events Virtual und Augmented Reality gewinnbringend einsetzen können, erklärt Serafino Melloni, Head of New Business Initiatives bei der MCH Group.

Virtual Reality (MCH Group)

Was versteht man unter Virtual Reality und Augmented Reality?

Virtual- und Augmented Reality bezeichnen von Computern erzeugte Realitäten, welche versuchen, das Nachempfinden einer realen Umgebung zu simulieren. Bei Virtual Reality (VR) setzt sich eine Person eine Brille auf, welche den Träger komplett von der Realität abkoppelt. Die Brille simuliert visuell und teilweise auch akustisch eine virtuelle Welt, welche durch Kopfbewegungen erforscht werden kann.

"Eine virtuelle Welt, die durch Kopfbewegungen erforscht wird."

Bei Augmented Reality (AR) wird mittels Bildschirmen oder Brille eine erweiterte Realität erzeugt, meist auf der visuellen Ebene. Während bei VR der Benutzer komplett in eine virtuelle Welt eintaucht, wird AR vor allem zur Darstellung von zusätzlichen Informationen verwendet, welche das reale Erlebnis so ergänzen. Das wohl bekannteste Beispiel für AR ist das Smartphonegame Pokémon Go, bei welchem im Kameramodus kleine Monster in der wirklichen Umgebung auftauchen. Hierfür wird nur die Software benötigt, welche als App die bestehende Hardware (Mobilgeräte) der Nutzer verwendet. Teurer sind die Applikationen mit Brillen, welche in Zukunft vor allem den professionellen Markt als Zielgruppe haben. So kann sich beispielsweise ein Servicemonteur Informationen zu einer Maschine, die er repariert, direkt während der Montage automatisch einblenden.

Wie kann man Virtual Reality an Events und Messen einsetzen?

Mit Virtual Reality ist es möglich, die räumlich begrenzte Eventwelt zu erweitern. So wird beispielsweise eine Tour auf den Mount Everest mit Hilfe von VR, Windmaschinen und weiteren technischen Hilfsmitteln plötzlich für jedermann erlebbar.

An Events entfalten VR und AR ihre grösste Wirkung als Showelement: zum eindrucksvollen Präsentieren von komplexen Themen oder zum Zeigen von Produkten, welche nicht aufbaubar sind. Mit der Technologie als „Eyecatcher“ können zudem Besucher angelockt werden. Es muss sich jedoch noch zeigen, welche dieser Anwendungen einen wahren Nutzen stiften und die Zeit überdauern werden.

"Nicht Darstellbares ist dann plötzlich inszenierbar."

In Zukunft wird CAD-Software direkt im Workflow die Möglichkeiten bieten, VR Inhalte auszuspielen. So werden Kosten für die Inhaltsproduktion massiv gesenkt. Die Daten werden dann nicht nur zur Entwicklung und zu Konstruktionszwecken verwendet, sondern ebenfalls zur Visualisierung und zu Schulungszwecken. Solche Inhalte könnten dann auf Messen gezeigt werden. Funktionen, welche real nur schwer zu zeigen sind und Maschinen, die nicht auf Messen ausgestellt werden können, sind plötzlich inszenierbar. 
 
Wie kann man Augmented Reality an Events und Messen einsetzen?
 
Augmented Reality ist für Messen besonders interessant, weil die Bildschirmlösungen und Brillenlösungen die Besucher nicht vom Liveerlebnis entkoppelt. Die Besucher sind immer noch mit der Realität verbunden. Mittels den Mobilgeräten der Besucher können zusätzliche Informationen zu ausgestellten Produkten angezeigt werden. Wie bei Pokémon Go wird Gamification mit den Produkten, Messethemen oder Innovationen, welche ausgestellt werden, möglich. Zudem können ausgestellte Produkte mittels AR Brillen beeindruckend inszeniert werden. Luftströmungsverläufe können visualisiert werden und dann aus dem real ausgestellten Luftauslass fliessen. Zudem können ausgestellte Produkte durch eine ganze Palette virtueller Produkte erweitert werden, die sonst nicht ausgestellt worden wären.

Augmented Reality (MCH Group)

Wann  ist der Einsatz von Virtual oder Augmented Reality für Veranstalter sinnvoll?

Ein Event soll eine Geschichte erzählen und die Teilnehmer unterhalten. Lässt sich die Geschichte mit AR oder VR besser erleben, sollte man die Technologie einsetzen. Hier sind die Eventmanager gefragt, die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ein maximales Erlebnis erzielen sollen. Möchte man diese komplexe Technologie optimal einsetzen, sollte man Spezialisten beiziehen. Kostenmässig ist in diesem Fall mit 10'000.- CHF und mehr pro Event zu rechnen.

Das Smartphonespiel Pokémon Go, eines der wohl berühmtesten Beispiele für den Erfolg von Augmented Reality, hat weltweit einen Hype ausgelöst. Was bedeutet dies für Veranstalter von Events?

Wichtig ist: schnell aufspringen, Nutzen erzielen und wieder abspringen. Das nennt man agiles adaptives Handeln und Profitieren. Die Schwierigkeit ist zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt da ist, denn jeder Hype geht mal zu Ende.

Eine neue Art von Beratungskompetenz ist gefragt. Neue Technologien und Best-Practice-Anwendungen müssen stetig analysiert und verstanden werden. Dies erfordert einen Mix aus Technologie und Geschäftsverständnis, mit der Fähigkeit, diese in andere Branchen zu überführen und zu validieren.

360-Grad-Videos sind ein weiterer Trend. Was sind deren Einsatzmöglichkeiten an Events und Messen?

Die Produktion von 360-Grad-Videos ist sehr einfach und kann mit speziellen Kameras produziert und im Netz verbreitet werden, live während oder nach dem Event. Mit Panoramaprojektionen können an Events auch neue Welten erschaffen werden, welche ohne VR-Brillen konsumiert werden können.

"Bei 360 Grad Videos ist man mitten im Geschehen, kann aber Wichtiges schnell verpassen."

In Verbindung mit VR ermöglichen es 360-Grad Videos, mittendrin im Geschehen dabei zu sein; mitten auf der Konzertbühne oder mit dem Helikopter über dem Gotthard. Momentan werden Vermarktungsmöglichkeiten für Personen, die nicht am Event teilnehmen können getestet. Denn auch am eigenen Bildschirm kann man die Videos geniessen und das Geschehen verfolgen. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, die wichtigen Elemente nicht zu verpassen. Bei einem Spielfilm dient jede Kameraeinstellung dazu, die Geschichte voranzutreiben; muss man den Fokus als User selbst legen, wie bei 360-Grad Videos, kann Wichtiges schnell verpasst werden.

Werden Virtual Reality und Augmented Reality in Zukunft ein fester Bestandteil von Events werden?

An Events gehen wir, weil wir die Realität geniessen möchten. Der Neuheitseffekt von Virtual Reality wie Augmented Reality wird mit der Zeit verloren gehen. Virtual Reality ist als weiteres Werkzeug in der Toolbox für die Eventkreation zu verstehen, aber nicht als fester Bestandteil von Events. Augmented Reality ist interessanter, da die Realität des Events nicht verloren geht und Kombinationen möglich werden. Da jedoch technische Hilfsmittel wie Mobilgeräte (Schwachpunkt Akku) oder Brillen (teure Hilfsmittel) noch länger ein Hindernis darstellen, wird auch hier der Einsatznutzen stets abzuwägen sein. Wann diese Werkzeuge zum Einsatz kommen, hängt von der Kosten-Nutzen-Rechnung ab. Falsch eingesetzt ist VR oder AR eine Verschwendung, richtig eingesetzt eine tolle Bereicherung. VR und AR sind auf jeden Fall geniale neue Werkzeuge, welche sich in den kommenden Jahren noch weiter verbessern und andere Branchen nachhaltig verändern werden.
 
Wenn wir jetzt schon entfernte Länder per Virtual Reality besuchen können: Werden wir künftig auch Events nur noch per VR erleben, während wir Zuhause auf dem Sofa sitzen?
 
Kosten und die einfache Nutzung werden hier entscheidend sein. Heute macht man Videokonferenzen, um Flugkosten zu sparen. Die Erweiterung von Events und Messen ist auf jeden Fall erwünscht, das Fernbleiben vom Live Erlebnis jedoch nicht. Persönlich glaube ich, dass das Eventerlebnis nie dem Virtuellen weichen wird, das Eventerlebnis sich jedoch in Punkto Content und Nutzen schnell weiterentwickeln muss.
Serafino Melloni

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