Learning by Doing: Nachhaltige Materialien im Messebau erkunden

Eva Mai
Group Junior Communication Manager

Was bedeutet es wirklich, eine nachhaltige Ausstellung zu gestalten? Das Projekt Maison & Objet Hong Kong – Design Factory, Teil der asiatischen Ausgabe der international renommierten Maison & Objet Designmesse für Interior, Lifestyle und kulturelle Trends, bot Expomobilia ein wertvolles Testfeld, um dieser Frage in der Praxis nachzugehen. Angetrieben von ambitionierten Nachhaltigkeitsanforderungen im Rahmen der Ausschreibung des Veranstalters zielte das Projekt darauf ab, Materialien, Konstruktion und End-of-Life-Lösungen über eine gesamte Ausstellungsfläche hinweg neu zu denken – nicht als einzelne Insellösungen, sondern als ganzheitliches System.

Ein ganzheitliches Experiment mit alternativen Materialien

Das Projekt wurde vollständig von Expomobilia umgesetzt und diente als Testumgebung für biologisch abbaubare, wiederverwendbare und weiterverwertbare Materialien. Diese wurden konsequent über verschiedene Bereiche hinweg eingesetzt und in unterschiedlichen alternativen Materiallösungen erprobt, darunter:

  • biologisch abbaubare und natürliche Materialien, darunter Installationen aus Bienenwachs, Algenplatten für Deckenelemente sowie Bambus für räumliche Strukturen,

  • die Wiederverwendung von Konstruktionselementen, etwa Wandsysteme, die mindestens ein zweites Mal eingesetzt wurden – und damit aufzeigen, wo Veranstalter und Auftragnehmer aktiv Einfluss auf Materialkreisläufe nehmen können, sofern dies seitens der Auftraggeber unterstützt wird,

  • Design für ein zweites Leben, bei dem Materialien gezielt so ausgewählt wurden, dass sie nach der Messe weiterverwendet oder gespendet werden können,

  • soziale Wiederverwendungsinitiativen, darunter die Spende von rund 2.000 Plastikstühlen an Schulen und Kirchen.

Das Projekt ging damit über den reinen Austausch von Materialien hinaus. Es untersuchte, wie weit sich Nachhaltigkeit unter realen Bedingungen in Design, Beschaffung, Aufbau, Abbau und Nachnutzung integrieren lässt.

Zentrale Erkenntnisse: Nachhaltigkeit ist komplex

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts war das Lernen – und damit ein tieferes Verständnis für die damit verbundene Komplexität.

  • Alternative Materialien sind nicht automatisch nachhaltig
    Materialien müssen ganzheitlich betrachtet werden: von der Beschaffung über Verarbeitung und Transport bis hin zur Nutzung und zum Lebensende. In einigen Fällen führten global beschaffte „ökologische“ Materialien zu höheren Umweltbelastungen als einfachere, lokal verfügbare Alternativen.

  • End-of-Life-Planung ist entscheidend und wird oft unterschätzt
    Das Spenden, Weiterverkaufen oder Wiederverwenden von Materialien erfordert Zeit, klare Prozesse, Lagerkapazitäten und engagierte Partner. Gute Absichten allein reichen nicht aus – entsprechende Strukturen müssen lange vor dem Abbau etabliert sein.

  • Nachhaltigkeit bedeutet, Komplexität zu managen
    Wirksame Lösungen für Wiederverwendung und Weitergabe profitieren von frühzeitiger Planung, dedizierten Ressourcen und enger Abstimmung. Wenn von Beginn an ausreichend Zeit und Budget eingeplant werden, lassen sich nachhaltige Ansätze deutlich besser integrieren und entfalten langfristigen ökologischen und sozialen Mehrwert.

  • Der lokale Kontext ist entscheidend
    Recycling- und Wiederverwendungsmöglichkeiten sind stark standortabhängig. Was in Europa funktioniert, lässt sich nicht ohne Weiteres auf Hongkong übertragen, wo Infrastruktur und regulatorische Rahmenbedingungen teilweise eingeschränkter sind.

  • Gestaltungsanspruch und Wiederverwendung können im Konflikt stehen
    Individuell gestaltete, stark designgetriebene Elemente lassen sich nur schwer standardisieren oder über mehrere Jahre hinweg wiederverwenden. Langfristige Verpflichtungen zu wiederverwendbaren Systemen können gestalterische Freiheiten einschränken und erfordern eine enge Abstimmung zwischen Designern, Auftraggebern und ausführenden Partnern.

Die zentrale Botschaft: Bereitschaft trifft auf Realität

Das Projekt Maison & Objet Hong Kong zeigt, dass die Messebranche bereit ist, voranzugehen, zu experimentieren und zu lernen. Gleichzeitig macht es deutlich, dass Nachhaltigkeit weder eine Checkliste noch die Entscheidung für ein einzelnes Material ist. Vielmehr handelt es sich um eine systemische Herausforderung, bei der alle Elemente zusammenspielen müssen:

Engagement der Auftraggeber, gestalterisches Denken, starke Partnerschaften, ausreichend Zeit, Budget sowie passende lokale Rahmenbedingungen.

Der wahre Wert dieses Projekts liegt in seinen Erkenntnissen. Durch das offene Testen dessen, was funktioniert – und was nicht – leistet es einen wichtigen Beitrag zu einem realistischeren, fundierteren und wirkungsvolleren Ansatz für nachhaltigen Messebau in der Zukunft.

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